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Sex oder Gewalt?

"avenidas / avenidas y flores / flores / flores y mujeres / avenidas / avenidas y mujeres / avenidas y flores y mujeres y / un admirador"
an der Wand einer Berliner Hochschule. Ein spanisches Gedicht verletzt die Würde der Frau, ist sexistisch, ... auf jeden Fall ist es nicht länger zumutbar - zumindest nicht in einem Land, in welchem kaum jemand Spanisch versteht bzw. spricht. Glücklich in einem Land leben zu dürfen, das so satt, glücklich und zufrieden ist um genug Zeit, Energie und Geld zu haben, sich über ein fremdsprachiges Gedicht zu zerstreiten.
"Alleen / Alleen und Blumen // Blumen / Blumen und Frauen // Alleen / Alleen und Frauen // Alleen und Blumen und Frauen und / ein Bewunderer"
- da findet ein Künstler in Reihen gepflanzte Bäume, Blumen und Frauen schön. JA! - Ja und? Fast alle Männer finden Frauen schön oder finden ihren Charme, ihre Intelligenz oder ihre Schönheit bewundernswert. Ich vermute, dass diese anfängliche (und oft bleibende) Bewunderung oder Faszination Ursache der späteren Geburt der Kritiker dieses Gedichts ist.
Diese Übermoralisierung, diese Mainstreamisierung der Kunst folgt leider nur einem moralischen Rückwärtssalto, welcher Erotik, Sexualität oder nur Nacktheit in einem negativen, unchristlichen bzw. religiös verbrämten Licht darstellen will. Seit im WWW Pornographie, welche i.d.R. so nicht vorhandene Rollenbilder propagiert, jederzeit für jederman verfügbar ist, werden "normale" Rollenbilder, mit der zu ihnen gehörenden Sexualität im TV nicht mehr gezeigt. "Normale" Nacktheit bzw. Sexualität könnte Kinder und Jugendliche wohl so verderben, dass sich für die jederzeit verfügbaren www-Rollenbilder nicht mehr interessieren.
Aus den TV-Medien ist Nacktheit nahezu völlig verschwunden, Sexualität ist quasi nicht mehr vorhanden. Gewalt dagegen ist ab Mittag bis Frühmorgens durchgehend im TV verfügbar - explizit dargestellt von der Tötung bis zur Leichenöffnung. Das ist offensichtlich weder moralisch noch sittlich verwerflich und gefährdet Kinder, Jugendliche und Erwachsene scheinbar nicht. Da lernen die "Kleinen" und die "Großen" was fürs Leben - auch wenn es nicht hilft eine liberale, gleichberechtigte, Menschen akzeptierende, mediengemachte Schönheitsideale ablehndende Gesellschaft, zu befördern.



Eingestellt: 11.02.18